Archiv für Mai 2008

Erster Arbeitstag - 0 

Mein erster Arbeitstag heute. Nicht wirklich besonders. Ich sehe die Fabrikhallen, dann meinen leeren Schreibtisch und meinen schäbigen Bürostuhl. Ich habe kein Notebook, keine Personalnummer, keine drängenden Aufgaben. Also lerne ich Spanisch. Nicht weiter spannend.

Querétaro - 0 

Erst mal ausschlafen, dann in die Stadt. Es ist superheiß, aber Shorts tragen nur Gringos. Also ziehe ich mich europäsich an, mit Nadelstreifenhose und Hemd. Dann der Schock: Alles auf Spanisch, irgendwie klar, aber fremd. Und der nächste: Alles riecht nach Mais, ein fäuliger, feuchter Geruch. Die mexikanische Küche scheint sich mit vier Ingredienzien zu differenzieren: Mais, Chili, Limette und Bohnen. Zum Füllen werden die üblichen Lebensmittel verwendet, nicht wirklich besonders. Auf der Straße sieht man auffallend viele dicke, aber auch sehr viele trainierte Menschen. Die Zwischenstufen fallen kaum auf.

Die Altstadt ist pittoresk, und schöner als ich dachte. Die engen Gassen sind mit ausgeschlagenen Steinen gepflastert, die Gehwege auch für eine Person zu eng. Insbesondere, da Strommasten aller Art den Weg noch mehr verengen. Ganz zu schweigen davon, dass Bäume grundsätzlich sehr niedrig gestutzt werden. Offensichtlich sind Menschen mit mehr als 1,70m selten hier. Die Häuser sind gepflegter als ich dachte, die Fassaden leuchten abwechselnd orange, pastellgrün, beige, blau-weiß, ocker. Auch die Türen, Fenster und Simse sind unterschiedlich: Massive Doppeltüren aus verziertem Holz, einfache Stahltore, grün lackiert; niedrig hängende Fenster, vergittert, schmale Fenster mit Jalousien, Schiebefenster aus Aluminium…

Bemerkenswert ist die Kirchendichte, und noch bemerkenswerter die Hochzeitsanzahl. Ich laufe an der ersten Kirche vorbei, einen kolossalen Bau mit indigenen Steinfiguren, orientalischen Bögen (eher Schnecken, die sich an jedem Pfeiler in den Himmel strecken), einer braunen Kuppel und goldener Innenverkleidung: eine Hochzeit. Die nächste Kirche wurde ziegelrot getunkt, eher klassisch-neuromanisch im Stil; wieder zurechtgemachte Menschen, vor dem Altar ein Brautpaar, dahinter vermute ich einen Geistlichen. Die dritte Kirche, auf einem Hügel gelegen – nun ja, keine wirkliche Überraschung was passiert. Die Gesellschaft presst sich gerade hochvergnügt aus dem kleinen Portal heraus. Die vierte Kirche liegt eher versteckt an zwei wenig befahrenen Gassen: keine Hochzeit. Dafür aber schreiten zwei Männer in ihren braunen Kutten behäbig vorbei. Ist auch schon spät.

Ciudad de México, der Dschungel - 0 

Bin heute angekommen. Mit Fieber. Im Dschungel von Mexiko City. Die Stadt ist so ziemlich, wie ich sie mir vorstellte: Alte Autos überall (vor allem US-amerikanische Modelle), Palmen, verrostete Schilder. Arturo war so nett, mich abzuholen vom Flughafen.

(Der Flug war furchtbar. Offenbar hatte ich mir in der letzten Nacht in Berlin noch eine fette Grippe eingefangen. In Amsterdam bin ich drei Mal durch die Kontrolle gelaufen, weil ich immer wieder etwas Metallenes in meinen Taschen vergessen hatte… Blödes Fieber, das macht so dusselig. Nach drei Stunden Flug - KLM - bekam ich endlich meinen ersten Tee. Nach fünf Stunden wünschte ich mir, das Flugzeug stürzte ab. Nach sechs Stunden über New York. Nach zehn Stunden fünfundvierzig Minuten in Mexiko City.)

Nervig sind die “topas” alle paar Meter. Diese Bumpers zwingen den gemeinen Autofahrer zum Abbremsen auf Schrittgeschwindigkeit. Danach wird wieder kräftig beschleunigt - achtzig oder so - bis zum nächsten Hindernis. Dieses Spiel hält zwar wach, bedingt durch die Kräfte in der Horizontalen (beim Verzögern und Beschleunigen) wie Vertikalen (beim Überfahren der topas), kostet aber auch wahnsinnig viel Sprit, kann ich mir vorstellen. Für die Achsen sind sie sicher auch eine Belastung.

Das Gebiet rund um den Zócalo ist wirklich schick: Starbucks, Seven Eleven und Zara. Nebenbei noch Parlament, Kathedrale, Metro, Justiz, und viel Polizei. Hier fährt sie immer mit Blaulicht; immer.
Der Platz der drei Kulturen ist auch bemerkenswert. Ich weiß zwar nicht, welche die dritte Kultur ist (Update: die Hochhäuser außen rum), aber Pyramidenreste und verkommene Kirche an einem Ort sind schon toll!

Arturos Zuhause, wo ich übernachte, ist wohl typisch für diese Stadt: Ein handgemachtes, immer wieder erweitertes Heim, und die Eingangstür führt direkt zum Wohnzimmersofa. Und sie haben WLAN! Der Tag ist gerettet. Jetzt noch ein Bier und Whisky.




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