Der Glöckner von San Antonio de Padua - 0 

Der Rückweg von Chichén Itzá war verregnet. Ich meine so richtig verregnet. Links und rechts neben der Straße schlugen die Bäume um sich, und Wassermassen verwandelten unser Auto in eine sonore Trommel.

Die Landschaft wurde immer dann interessant, als wir eines der kleinen Städte, eher Dörfer, passierten. Die Häuser sind wirklich ärmlich, und ich kann mir vorstellen, dass sich die Menschen ein Leben in Villareal, Mérida, oder noch weiter weg wünschen. Oder auch nicht. Etwas Malerisches haben diese Siedlungen allemal.

Unser Ziel auf dem Rückweg ist Izamal, eine alte Maya-Stadt aus dem fünften Jahrhundert. Die europäischen Missionare jedoch haben fast alles Antike zerstört und eigene Herrschaftssysmbole an ihrer statt errichtet. Am bemerkenswertesten ist das Kloster (”convento”) San Antonio de Padua, ein in ockergelb gehaltener Bau aus dem 16. Jahrhundert. Zu seiner Zeit hatte es wohl das größte Atrium der Welt. Zugegeben ist das etwas geschummelt. In Wirklichkeit handelt es sich um die äußere Mauer, die nach innen einige Meter überdacht ist. Bis auf diesen Bereich ist das Atrium nicht bepflastert, also eher ein Innenhof.

Gemeinerweise steht das Kloster exakt an der Stelle einer Maya-Pyramide, aber es geht noch fieser: Es wurde aus dem Steinen dieser Kultstätte errichtet. Das nennt man wahren, sprich ignoranten und überheblichen Kolonialismus.

Also besuchen wir im Regen San Antonio de Padua. Kaum betreten wir die Innereien dieses invasorischen Objekts, gesellt sich ein kleiner, älterer, sehr buckliger Mann zu uns. Er trägt eine braune Stoffhose und ein beiges Hemd, dazu eine goldene Uhr und eine passende Kette. Sein Gesicht ist nicht ganz symmetrisch, was das Klischee perfekt bedient. Etwas unverständlich fragt er Erika, ob wir Deutsche seien. Wir bejahen. Dann setzt er an, uns durch das Gebäude zu führen. Seine Formulierungen sind größtenteils unverständlich, eine gespentische Mischung aus Deutsch, Spanisch und Englisch. “Siebzehnhundertdreiundneunzig” kommt ihm wie alle anderen Jahreszahlen akzentfrei über die Lippen, genauso “Franziskaner” sowie andere Wörter und Satzbrocken. Vielleicht hat er vor langer Zeit gelernt, Führungen in mehreren Sprachen zu halten, und vermischt jetzt die Drehbücher. Oder aber er improvisiert und spricht tatsächlich Deutsch und Englisch. Der Mann führt uns Treppen hinauf und hinab, erläutert die verblassten Bemalungen an Durchgängen; schließlich kommen wir in einem purpurrot und golden verzierten Gebetsraum. Mitten in der Kargheit ein Raum wie aus einer Herrschaftsresidenz. Zum Schluss sehen wir das Kirchenschiff. Eine merkwürdige Führung.

Ein Mann und sein Motorrad

Ein verwilderter Innenhof

San Antonio de Padua

Siesta auf Mexikanisch

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