Mérida, 14:15 Uhr, feucht - 0 

…und die Frisur sitzt.

Bin heute in Mérida gelandet, pünktlich um 13:40. Bis ich aus dem Flugzeug rauskam, mein Gepäck abgeholt habe und den Ausgang fand, dauerte es noch so eine halbe Stunde.

Dann kam er, der Feucht-Schock!

Bis dahin verbrachte ich meinen Tag sehr klimatisiert. Um 5:30 Uhr aufstehen, Sachen packen (ich pack doch nicht am Abend vorher), duschen, frühstücken, Taxi suchen. Bin mit meinem Koffer 200 Meter bis zur Ecke Zaragoza-Tecnológico gelaufen, dann in die Tecnológico eingebogen, bis zum Tope, direkt vor dem Oxxo. Dann kam mir ein gelber Tsuru entgegengefahren. Der Fahrer sah aus wie ein Professor; oder so, als würde Jack Nicholson einen Professor spielte, der Taxi fährt. Schwarze Anzugshose mit perfekter Bügelfalte, weißes kurzämliges Hemd, die ersten zwei Knöpfe offen. Auf dem Weg zum Busbahnhof unterhielten wir uns über Mozart und Beethoven, ich gab mein ganzes Wissen preis, was die 15 Minuten fast ausfüllte. Die restliche Zeit erzählte er mir davon, dass Yucatán eine der schönsten Gegenden der Welt sei (”una de las régiones más bonitas ¡del mundo!”), mit erhobenem Zeigefinger und - dazu passend - leicht erhabenem Blick. 40 Peso hat er mir abgenommen, absolut fair. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass zumindest in Querétaro die Taxen kein Taximeter haben.

Das Taxi war nicht klimatisiert, der Bus aber schon. Ich kam kurz vor 7:00 Uhr am Terminal an, und die Fahrkarte, die ich eben erwarb, führte mich zehn Minuten später in den Bauch eines Erste-Klasse-Reisebusses nach México City. Ich würde also deutlich zu früh am Flughafen ankommen.

Superentspannt checkte ich ein, und holte mein Ticket ab. Aeroméxico, Flug AM531, Abflug um 11:55 Uhr. Ich hatte also noch 80 Minuten. Also nochmal frühstücken, und den neuen Economist kaufen (für die astronomische Summe von 78 Peso). Titelthema: Erneuerbare Energien. Wirklich gut.

Der Flug verlief problemlos, in einer ziemlich neuen Boeing 737. Natürlich klimatisiert, alles andere hätte meinen Tod bedeutet. Ich war beim Landeanflug etwas überrascht, nicht direkt am Strand angekommen zu sein. Hatte ich erwähnt, mich keine Sekunde informiert zu haben? Mérida ist, soweit ich es überblicken konnte, von ausgedehnten Waldgebieten umgeben. Der Strand ist, wie ich später erfuhr, 35 km entfernt.

Der Feuchtschock also.

Ich schritt durch die Flughafentür wie durch ein Portal in eine andere Welt, die Feuchtigkeit und die Hitze, eine extreme Schwüle empfing mich wie einen ungebeten Gast. Das Taxi ins Zentrum, in mein Hotel (Ambassador, ganz okay), kostete mich 140 Peso, den offiziellen Flughafenpreis. Für fünf Kilometer oder so find ich das ein Statement.

Feucht hier, ist das immer so?, fragte ich den etwas dicklichen Taxifahrer, der mir versicherte: Ja, ist immer so.

Mein Hotelzimmer empfing mich mit zwei Betten und stehender feuchter Luft. Gleich mal die Klimaanlage eingeschaltet, die aber eher ein Ventilator in Klimaanlagengehäuse war. Also nicht so der Bringer.

Ich hatte mein Deutschland-T-Shirt aus dem Zara an, es war der Tag gegen die Türkei. Berlin brennt! Ab zu Filips Hotel, nur 300 Meter die Straße rauf, und nach dem Zimmer gefragt. An die Tür geklopft, Erika empfangen begrüßt, Filip begrüßt, Spiel geguckt. Oder zumindest, so viel es ging. Ein Tor hatte ich verpasst, das von Schweinsteiger bejubelt, dann kam eine Unterbrechung nach der nächsten. Aahh! Immerhin lief der Kommentar noch. Kurz: Fi-nale, oh-oh; Finale, oh-oh-oh-oh!

Später haben wir uns die Altstadt ein wenig angeschaut, ganz hübsch. Aber Querétaro find ich toller. Und in einem Restaurant gegessen, das teuer war, voller aggressiver Mücken, und schlechtes Essen servierte. Nicht zu empfehlen. An den Namen erinnere ich mich nicht mehr.

ich bin gespannt auf das Frühstück morgen.

Erika, Filip und ein Maya

Traditioneller Webstuhl

Eine Seitenstraße in Mérida

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