Heute in Chichén Itzá gewesen, und der Titel sagt vieles. Gestern erfuhr ich, dass es zu den “Neuen Weltwundern” gehört. Soso.
Das Frühstück heute morgen war ganz gut, ich hab so ein Spezialding, das nicht auf der Karte steht. Was heißt, dass ich das bekomme, was auf der Karte steht - und zwar alles.
Mit dem Taxi fuhren wir (also Erika, Filip und der Alex) zum Fiesta Americana zur Autovermietung. Filip hat einen Jeep Liberty klargemacht, 300 Euro für sieben Tage. Die Anmeldung war natürlich superkompliziert und mit vielen Formularen und einigen Unterschriften verbunden. Wir sind hier schließlich in Mexiko, nicht in Berlin-Tegel, wo eine Unterschrift und drei Minuten Aufmerksamkeit alles regeln. Am meisten nervte mich jedoch, dass der Verkäufer so tat, als verstünde ich kein Spanisch. Ich rede zwar miserabel, etwa auf dem Nivau eines Achtzigjährigen mit fortgeschrittener Demenz (vielleicht sollte ich “taubstumm” noch hinzufügen). Aber das heißt doch lange noch nicht, dass ich genauso aufnahmefähig bin.
In Mérida sind Tiefgaragen zwar auch unterirdisch, aber dennoch ist es warm. Wäre das Fiesta Americana ein Schiff, dann ist die Tiefgarage der Maschinenraum, oder wie das bei Schiffen eben heißt.
In den Maschinenraum stiegen wir ab, um unser Auto in Empfang zu nehmen. Es schimmerte weiß, war bullig, und versprühte ein klein wenig Männlichkeit. 3,7L stand auf der Plakette am Heck. Zwei von drei Lippenpaare formten sich zu einem Lächeln, vier von sechs Augen glänzten verloren.
Dann ging’s los, ab nach Chichén Itzá.
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Am Montag, den 23. Juni besuchte ich einen Zulieferer, für meinen Job hier im Mexiko. Auf dem Weg dorthin gleitete mir das Handy aus der Hosentasche. Nicht weiter wild, hätte sich zwischen Fahrer- und Beifahrersitz nicht ein gelber Plastikbecher mit Kaffee befunden. Aus diesem Becher zog mein Kollege das Telefon raus. Zuerst wunderte ich mich darüber, dass er sein Handy im Kaffee aufbewahrt, dann - das ist ja meins! Da in Mexiko alles entweder pikant ist oder süß, war das kein Kaffee mehr, sondern dunkelbeiges Zuckerwasser. Dass Zucker in den Innereien eines Telefons nichts Gutes anrichtet, kann sich jeder denken. Abgesehen davon, dass es nach der Brühe roch. Wobei, angenehm war das auch nicht. Der Punkt ist, es blieb schwarz.
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Auf dem Hinweg erhielt ich eine SMS. Mein Handy ging mittlerweile wieder an, am Mittwoch morgen befreite es sich pünktlich zur Abreise aus dem Zuckernetz. Wobei, nicht ganz: Die eins hatte Dauerkontakt, und einige Tasten gingen nicht. Ich glaube, noch nie zuvor für einen Satz so lange gebraucht zu haben.
Das Entertainment fand kein Ende. Vor uns erschien ein Polizeiauto, und wir durften erst Mal anhalten. Der Grund? Ein herannahmendes Peloton (eine Gruppe Radrennfahrer), das so langsam fuhr, dass ich mir sicher was, es handelte sich hier um die mexikanischen Meisterschaften. Kennt jemand einen mexikanischen Top-Rennfahrer? Ich nicht.
Als es weiterging, wurden wir einige Meter später wieder aufgehalten: korpulenter Mann auf Straße, Ambulanz, mehr Polizei, wild gestikulierende korpulente Helfer. Gehörte sicher zum Rahmenprogramm. Oder aber einer der Kameraleute ist von seinem Mofa gestürzt.
Nach bester Straßenunterhaltung kamen wir gutgelaunt in Chichén Itzá an. Mitten im Dschungel, unbefleckte Natur, richtig viele Lianen, der Eingang kaum zu erkennen. Und dann - dann baut sich die Pyramide mayaesthätisch majestätisch auf, darauf wartend, von mir erklommen zu werden.
Reality Check: Wir erreichen eine Schranke mit Wärterhaus, bekommen unseren Parkschein. Der Parkplatz erinnert mich an Fantasialand. Wir laufen an einem halben Dutzend Reisebussen vorbei, steigen die drei Treppen zum riesigen Eingangsbereich empor. Dort findet sich ein Restaurant, ein kleines Museum, der Tickerverkauf, ein Kaffeestand, ein Souvenirshop und die Eingangsdrehschranken. Wir kaufen die Tickets, binden uns die grünen Bändchen ums Ärmel und passieren zusammen mit einem Strom anderer Touris (ja, ich bin leider auch einer) die Zutrittskontrolle. Wer regelmäßig im Stadium ist, fühlt sich heimisch.
Auf dem Weg zur Pyramide passieren wir die ersten (zwar viele, aber nur die ersten) Souvenirverkäufer. Richtig aufdringlich sind die, bin ich von Mexikanern gar nicht gewohnt. Außerdem sehe ich Ameisen, die Blatt-Stückchen transportieren. Ein Ami sagt was von “American ants would never do that!”. Super.
Die Pyramide ist groß, aber durch die ganzen Touristen wirkt sie sehr profan. Das ist so wie der Reichstag: Von Weitem beeindruckend, tagsüber von Nahmen betrachtet nicht mehr so. Die wartenden Besucher machen die Atmosphäre kaputt. Deshalb bin ich dort erst ab halb zehn abends ganz gerne.
Was es sonst noch so gibt, lese ich mir im Reiseführer an und besuche es nachher, ganz interessant. Hinter der Allee der 1.000 Säulen (oder so) komme ich mit einer rumänischen Familie ins Gespräch. Aus Bucuresti. Die machen Urlaub in Yucatán, und ich merke, das mein lückenhaftes Spanisch meine lückenhaften Rumänisch-Kenntnisse überlagert hat. Und ich dachte, die würden sich schön nebeneinander zu einem lückenlosen Gesamtbild fügen.
“Very cheap, one piece one Dollar” lautet auf Spanisch übrigens: “Dos por diez, dos por diez, andale!”. Was auch das Prinzip der Verkäufer hier beschreibt: Sprichst du Spanisch, fällt der Preis schon um die Hälfte. Ich habe auch noch verhandelt, und zwei ganz nette Masken für einen Spottpreis erworben. Beim Einpacken gab’s sogar ein leises, aber umso hasserfüllteres “hijo de puta” gratis dazu.









