Erst mal ausschlafen, dann in die Stadt. Es ist superheiß, aber Shorts tragen nur Gringos. Also ziehe ich mich europäsich an, mit Nadelstreifenhose und Hemd. Dann der Schock: Alles auf Spanisch, irgendwie klar, aber fremd. Und der nächste: Alles riecht nach Mais, ein fäuliger, feuchter Geruch. Die mexikanische Küche scheint sich mit vier Ingredienzien zu differenzieren: Mais, Chili, Limette und Bohnen. Zum Füllen werden die üblichen Lebensmittel verwendet, nicht wirklich besonders. Auf der Straße sieht man auffallend viele dicke, aber auch sehr viele trainierte Menschen. Die Zwischenstufen fallen kaum auf.
Die Altstadt ist pittoresk, und schöner als ich dachte. Die engen Gassen sind mit ausgeschlagenen Steinen gepflastert, die Gehwege auch für eine Person zu eng. Insbesondere, da Strommasten aller Art den Weg noch mehr verengen. Ganz zu schweigen davon, dass Bäume grundsätzlich sehr niedrig gestutzt werden. Offensichtlich sind Menschen mit mehr als 1,70m selten hier. Die Häuser sind gepflegter als ich dachte, die Fassaden leuchten abwechselnd orange, pastellgrün, beige, blau-weiß, ocker. Auch die Türen, Fenster und Simse sind unterschiedlich: Massive Doppeltüren aus verziertem Holz, einfache Stahltore, grün lackiert; niedrig hängende Fenster, vergittert, schmale Fenster mit Jalousien, Schiebefenster aus Aluminium…
Bemerkenswert ist die Kirchendichte, und noch bemerkenswerter die Hochzeitsanzahl. Ich laufe an der ersten Kirche vorbei, einen kolossalen Bau mit indigenen Steinfiguren, orientalischen Bögen (eher Schnecken, die sich an jedem Pfeiler in den Himmel strecken), einer braunen Kuppel und goldener Innenverkleidung: eine Hochzeit. Die nächste Kirche wurde ziegelrot getunkt, eher klassisch-neuromanisch im Stil; wieder zurechtgemachte Menschen, vor dem Altar ein Brautpaar, dahinter vermute ich einen Geistlichen. Die dritte Kirche, auf einem Hügel gelegen – nun ja, keine wirkliche Überraschung was passiert. Die Gesellschaft presst sich gerade hochvergnügt aus dem kleinen Portal heraus. Die vierte Kirche liegt eher versteckt an zwei wenig befahrenen Gassen: keine Hochzeit. Dafür aber schreiten zwei Männer in ihren braunen Kutten behäbig vorbei. Ist auch schon spät.