Tag-Archiv für 'México'

Serviceland Mexiko - 0 

Der Service hier ist klasse, manchmal beleidigend gut für den europäischen Geschmack. Nur zwei Beispiele: Gute Bedienung bedeutet, dem Gast die Bierflasche, das Wasserglas oder was auch immer - wörtlich - aus der Hand zu nehmen, sobald er den letzten Schluck getan hat. Teilweise auch vorher. Gute Bedienung heißt auch, dass grundsätzlich doppelt so viele Servicekräfte angestellt sind als nötig wären. Ab und an nehmen gleich zwei Personen die Bestellung auf; ganz zu schweigen davon, dass sie sofort zur Stelle sind.

Die Arbeitslosigkeit liegt im Land bei 3,5%. Jetzt weiß ich auch wieso. Ich bin gespannt, wie lange die Leute hier noch für 1,50 € die Stunde arbeiten. (Hoffentlich noch bis Ende Oktober.)

Autos - 0 

Dacia heißt Nissan, Opel Chevrolet. Dazu viele Marken, die erkennbar aus den USA stammen: Dodge, Lincoln, Cadillac, Chrysler, Ford, GMC, Hummer, Jeep, Toyota (Ja, ich meine die US-Modelle!), Ambassador (die alten Schlitten), Mercury, Pontiac.

Das Alter bewegt sich zwischen prähistorisch-klapprig-verrostet-stinkend und Leasing-neu. Vereinzelt sehe ich auch Audi TT und Bentley. Von den europäischen Marken ist VW am Größten (hey, hier röhren 2000er-Modelle vom Käfer; mit Kat, Alarmanlage, elektrischen Fensterhebern, Klimaanlage), gefolgt von —- vielleicht Fiat.

Nissan aus Japan ist bekannt für seine Haltbarkeit. Fast alle Taxen sind Nissan Tsurus, mit ihnen fährt man zehn Jahre (das entspricht einer Million Kilometer). Dann muss ein neuer Wagen her. Taxen in Querétaro dürfen nicht älter sein. Neulich lamentierte ein Fahrer deswegen: Was das denn soll, man kann Autos doch gut erhalten, auch bei dieser Kilometeranzahl. Der Herr hat bestimmt recht. Ich war dennoch froh, in seinem neuen Gefährt (40.000 km, also fünf Monate alt) Platz genommen zu haben.

Autos kauft man neu oder semi-neu. Informierte Kreise berichten, dass US-Semis um zehn Jahre alt sein müssen, um importiert werden zu dürfen. Neuwagen werden über fünf bis sieben Jahre finanziert, dann wird die Karre erneuert. Modefarben sind weiß und schwarz.

Das Benzin wird vom Staat subventioniert, daher ist es billig, etwa 45 Cent pro Liter bleifrei. Die Oktanzahl bewegt sich in unteren 80er-Regionen. Die gesamte Petroindustrie befindet sich übrigens in Volksbesitz, die Tankstellen (Pemex) werden so weit ich weiß als Franchise geführt. Angenehm ist der Service, du musst nicht aus dem Auto steigen.

Puh, es gibt noch viel mehr über Autos zu berichten. Hebe ich mir für später auf.

Schlangenbildner - 1 

Wo auch immer mehr als zwei Mexikaner auf etwas warten, bilden sie eine Schlange. Es ist eine meditative Übung, keine Pöbeleien, keine Drängler, keine Schubser, keine Nörgler, keine Witze, keine „Ich bin schwanger/ alt/ wichtig/ schon länger hier als du/ krank/ in Eile“-Sprüche. Sich zu unterhalten scheint nach Schlangestehenknigge streng verboten. „Man“ wartet einfach, wird für die Minuten des Ausharrens seltsam still. Hielten Menschen Winterschlaf, sähen sie währenddessen so aus wie Mexikaner beim Schlangestehen. Nur eben liegend und mit geschlossenen Augen.

Update (02. Juli 2008): Ich bin zutiefst schockiert. Da hat tatsächlich eine Mexikanerin versucht, sich in einer Schlange vor mich zu schieben. Ich wartete bei Cablecom, einem Kabelnetzbetreiber, darauf vom Kundendienst empfangen zu werden. Ich wartete - mittlerweile geübt - geduldig. Dann die Attacke: vierzigfährig, kettenrauchend, untersetzt, schlecht gekleidet (alte und in heller Vorzeit weiße Turnschuhe!) rollte der Angriff auf mich zu. Die Situation war zwar schnell geklärt, aber eine Grundwahrheit wurde erschüttert.

Ein Abend im Stadium - 0 

Open-Air-Konzert im örtlichen Stadion. Deutschland hat hier 1986 die Vorrunde gespielt (Loddar war auch dabei), wurde im Finale von Argentinien geschlagen. Kein gutes Zeichen. Dazu junge Menschenhorden – ich meine wirklich jung, so zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren. Meine Gruppe ist altersmäßig durchmischt, mit einer Bandbreite von fünfzehn (2x), über dreiundzwanzig (ich) bis zu (verdammt, ich glaube) 31. Es regnet, es wird kalt, wir frieren, die Musik ist reiner Pop, „Gangsta“-Rap und Latino-Rhythmen eben. Um zwölf bin ich durchnässt zu Hause. Anderswo läuft noch eine Party, aber ich sage ab. Ich habe die Nase voll.

Schwarze Haare und Haargel - 0 

Es gibt wohl zwei Wahrheiten Mexikaner betreffend:

  1. Jeder hat schwarze Haare.
  2. Niemand geht ohne Haargel aus dem Haus.

Wäre es nicht schon erfunden, würde die Regierung bestimmt ihr gesamtes Forschungsbudget der Haargelentwicklung widmen.

Igellooks und nach hinten gekämmte, mit Klebstoff-Gel fixierte Frisuren sind hier am beliebtesten, und das in jeder vorstellbaren Variation. Nur den Iro sehe ich nirgends. Gel-Tuben oder -Töpfe über einem Liter bestimmen das Bild in den Warenhäusern, und erstrecken sich über ganze Ganglängen. Interessant, dass die Produkte nicht so durchorganisiert im Regal platziert sind wie in Europa. Teure Produkte sind nicht unbedingt leicht auffindbar, und die Sortierung folgt keinem Standard: Mal stehen alle Produkte eines Herstellers nebeneinander, dann wieder wurde nach Warengruppen geordnet. Und das im gleichen Laden!




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